Über 50 Wißbegierige kamen zum
Workshop „Good-bye Einstein, Mozart
und Beuys! Aus eigener Kraft zu mehr
Kreativität und Innovation im Unter-
nehmen." Angekündigt waren exem-
plarische Arbeitsmethoden einer Krea-
tiv-Werkstatt, die „Schritte zur Innova-
tion".
Wer den Chancen des kreativen
Chaos nicht so ganz traut, so lautete die
Botschaft von Dr. Hermann Will und
Susanne Polewsky, nutzt diese Syste-
matik des kreativen Problemlosen
samt zugehörigem Methodenrepertoire.
Besonders hilfreich sind diese Schritte,
wenn Arbeitsgruppen und Teams an In-
novationen arbeiten. Die Schrittfolge
beginnt mit d em Herausarbeiten der
richtigen Fragestellung. Für die kreati-
ve Ideenfindung gibt es Methoden wie
Sand am Meer. Aber damit ist es nicht
getan. Die mühsame Knochenarbeit
steckt in den nächsten Schritten: Anrei-
chernde Ideenbewertung und das Ent-
wickeln kluger, organisationsspezifi-
scher Umsetzungsstrategien. Und letzt-
lich - allzuoft vergessen - der respekt-
volle Abschied von „alt" gewordenen
Innovationen, schließlich ist die Inno-
vation von heute der graue Alltag von
morgen!
Methodenvielfalt: Viele Wege führen
nach Rom!
Beide Referenten schilderten Vari-
anten ihrer Werkstatt-Methodik fürs Er-
arbeiten innovativer Lösungen durch
Gruppen und Teams. Die Rede war von
kleinen informellen „Spinnzirkeln",
Teamklausuren mit Werkstattcharak-
ter, absichtsvoll gemischten Speziali-
stengruppen, Innovations-Coaching bis
hin zu Großveranstaltungen mit 60 Teil-
nehmern. Quintessenz dieser vielfälti-
gen Arbeitsformen: Viele Wege führen
nach Rom! Aber das Beachten einiger
„Kreativ-Förderer" ist in jedem Fall
sinnvoll. So der bewußte Einsatz von
körperlicher Bewegung: sie hält auch
das Denken im Fluß. Ebenso stimulie-
rend wirken unübliche Arbeitsorte, Ar-
beitsformen und Medien - sie sind Sig-
nal, Themen anders als üblich anzuge-
hen. Auf besonderes Interesse stießen
spezielle Weiterentwicklungen von
Kreativ-Methoden für Ideenfindung
und Umsetzungsplanung.
„Bild-Methode":
Das Prinzip ist einfach. Mit der Fra-
gestellung im Hinterkopf lasse man sich
von Bildern, Fotos in Illustrierten, Pla-
katen, Kalenderbildern... „inspirieren",
Visualisieren ist ein wichtiger Bestand-
teil des kreativen Prozesses.
(Foto: Siemens, Österreich)
notiert sich Bilddetails bzw. Gedanken
zum Bild und nutzt diese Notizen als
Grundstock zum Weiterspinnen in
Gruppen. Die These: Fast in jedem Bild
stecken wertvolle Anregungen und
Ideen für die Fragestellung.
„Museums-Methode":
Das LTA als Tagungsort kam den
Referenten äußerst gelegen, denn so
konnten sie ihre „Museums-Methode"
live demonstrieren. Man läßt sich - ähn-
lich der Bild-Methode - von ausge-
wählten Museumsexponaten zu Noti-
zen und Ideen inspirieren und „spinnt"
mit Mitdenkern weiter an diesem
Rohmaterial. Das langsame Gehen - mit
freischwebender Suchrichtung - hält
das Denken besonders in Schwung. Der
Mannheimer Museumsmix aus Tech-
nikgeschichte und Heimatmuseum ist
für diese Kreativ-Methode ideal, um aus
der Vergangenheit innovative Lösun-
gen für die Zukunft zu entwickeln.
Eine kleine Teilnehmergruppe te-
stete die Methode sofort aus und such-
te im Museum nach Ideen für eine völ-
lig andersartige „Fräsmaschine". Alle
waren überrascht, daß ganz zufällig aus-
gewählte Exponate - ohne jeden Bezug
zur Frästechnik - die ergiebigsten Ideen-
lieferanten waren.
„Outdoor Association":
Bei der Outdoor-Methode verläßt
man Besprechungsräume und Gebäude.
Alleine oder in kleinen Gruppen brin-
gen einen draußen ganz „normale" Din-
ge zum Spintisieren. „Probleme" löst
man, indem man sich vom Problem
löst". Betont verlangsamtes Gehen und
die neugierige Suche nach zufälligen
Details bringen einen zum freien Asso-
zieren. Ideal, wenn man dann noch ein
paar Mitdenker dabei hat. Wer sich auf
diese Art des „Outdoors" einlassen
kann, für den „liegen die Ideen auf der
Straße" und Bahnhöfe, Schaufenster,
Baugerüste oder Hauseingänge werden
zu Quellen innovativer Lösungen.
Kreativität braucht mehr als Methoden!
In der Frage-Antwort-Runde wurde
aber auch deutlich, daß kreative Ideen
und innovative Lösungen keineswegs
nur das Resultat pfiffiger Methoden und
Arbeitsformen sind. Unverzichtbar sind
taktisch kluge Umsetzungsstrategien,
gezielte Informationspolitik, Wissen
um das Interessen- und Machtgefüge in
der Organisation, Verbündete und Part-
ner sowie fantasievoll-elastischer Um-
gang mit unvermeidlicher Skepsis und
Widerständen.
Wer mehr Kreativität und Innovati
on in Teams und Organisationen will,
muß auch dafür sorgen, daß der Rahmen
stimmt: Es braucht die feste Überzeu
gung, daß vorhandene Mitarbeiter krea
tiv und aktiv genug sind, Lösungen zu
entwickeln. Es braucht breit gestreutes
Methoden-Know-How. Vor allem aber
braucht es einen Führungsstil, der
„Querdenken" anerkennt, eine offene
und tolerante Arbeitsatmosphäre im
Team sowie die Förderung des indivi
duellen Kreativ-Potentials bietet. Das
alles zusammen ist nicht einfach, aber
machbar!
Eine Literaturliste zu Kreativität und
Innovation sowie Adressen von Kreativ-
Institutionen in Deutschland, Europa
und USA erhalten Sie bei WUP WILL
UND PARTNER, Dr. Hermann Will,
www.wup.info.
Werkstatt- und Kreativ-Methoden für innovative Problemlösungen
Viele Wege führen nach Rom!
Wie können Unternehmen das kreative Potential ihrer Mitarbeiter aktivieren?
Was braucht's an Methoden-Know-how, Arbeitstechniken und Unterstützung,
um Kreativität und Innovation freizusetzen? Im Mannheimer Landesmuseum
für Technik leiteten Susanne Polewsky & Dr. Hermann Will, ein Trainer- und
Berater-Netzwerk aus München, dazu einen Workshop.